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ISO 22301: Anforderungen, Zertifizierung und Abgrenzung

Von SecDrills-Redaktion
ISO 22301 ist der Maßstab für Business Continuity Management und der einzige BCM-Standard, der sich zertifizieren lässt. Dieser Beitrag zeigt, was die Norm fordert, wie die Zertifizierung abläuft und wie sie sich zum BSI-Standard 200-4 verhält.

Was ist ISO 22301?

ISO 22301 ist der internationale Standard für Business-Continuity-Managementsysteme (BCMS). Er definiert die Anforderungen, mit denen eine Organisation die Fähigkeit aufbaut, bei Störungen (etwa Cyberangriffen, Ausfällen oder Naturereignissen) kritische Leistungen aufrechtzuerhalten oder schnell wiederherzustellen. ISO 22301 folgt der einheitlichen High-Level-Structure der ISO-Managementsystemnormen und dem PDCA-Prinzip (Plan-Do-Check-Act). Deshalb lässt sich die Norm gut mit ISO/IEC 27001 für Informationssicherheit kombinieren. Als einziger BCM-Standard ist ISO 22301 akkreditiert zertifizierbar. Ein Zertifikat ist damit ein anerkannter Nachweis gegenüber Kunden, Partnern und Aufsicht.

Was fordert ISO 22301?

Die Anforderungen verteilen sich über die Kapitel 4 bis 10 der Norm:

BereichKernanforderung
Kontext & Führung (Kap. 4–5)Geltungsbereich des BCMS, Verpflichtung der Leitung, BCM-Leitlinie und Rollen.
Planung (Kap. 6)Ziele des BCMS, Umgang mit Risiken und Chancen.
Unterstützung (Kap. 7)Ressourcen, Kompetenz, Bewusstsein, Kommunikation und dokumentierte Information.
Betrieb (Kap. 8)BIA und Risikobewertung, Continuity-Strategie, Notfallpläne sowie ein Übungs- und Testprogramm.
Bewertung & Verbesserung (Kap. 9–10)Überwachung, internes Audit, Management-Review und kontinuierliche Verbesserung.

Kapitel 8 ist der operative Teil der Norm: Aus der Business Impact Analyse und der Risikobewertung werden Strategie und Notfallpläne abgeleitet. Diese Pläne müssen nachweislich geübt werden.

Wie läuft eine ISO-22301-Zertifizierung ab?

  1. BCMS aufbauen: Managementsystem nach den Anforderungen etablieren und dokumentieren.
  2. Internes Audit & Management-Review: Wirksamkeit intern prüfen.
  3. Stufe-1-Audit: Dokumentenprüfung durch die Zertifizierungsstelle.
  4. Stufe-2-Audit: Vor-Ort-Prüfung der gelebten Umsetzung.
  5. Zertifikat & Überwachung: Ausstellung (i. d. R. 3 Jahre gültig) mit jährlichen Überwachungsaudits und Rezertifizierung.

ISO 22301 oder BSI-Standard 200-4?

In Deutschland stehen zwei Rahmenwerke nebeneinander. Sie widersprechen sich nicht, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte:

DimensionISO 22301BSI-Standard 200-4
HerkunftInternationaler ISO-StandardNationaler Standard des BSI
CharakterNormativer Anforderungskatalog (zertifizierbar)Praxisleitfaden mit Stufenmodell
ZertifizierungAkkreditierte Zertifizierung möglichKeine eigene Zertifizierung vorgesehen
ZielgruppeInternational, alle BranchenVor allem Deutschland, IT-Grundschutz-Umfeld

Der BSI-Standard 200-4 eignet sich gut für den Einstieg, weil er Stufe für Stufe durch den Aufbau führt. ISO 22301 liefert das zertifizierbare Ziel. Viele Organisationen bauen ihr BCM nach 200-4 auf und lassen es später nach ISO 22301 zertifizieren.

ISO 22301 und Übungen

Im Audit wird geprüft, ob die Pläne wirken. Dafür verlangt ISO 22301 ein Übungs- und Testprogramm. Eine Tabletop-Übung erfüllt das mit vertretbarem Aufwand. Sie erprobt die Notfallpläne, deckt Lücken auf und erzeugt einen auditierbaren Report, den Sie dem Zertifizierungsauditor vorlegen können.

ISO 22301 und ISO 27001 im Zusammenspiel

Weil ISO 22301 und ISO/IEC 27001 dieselbe High-Level-Structure teilen, lassen sie sich zu einem integrierten Managementsystem verbinden: gemeinsame Leitlinie, Rollen, internes Audit und Management-Review. Wer bereits ein ISMS nach ISO 27001 betreibt, kann große Teile davon (Kontext, Führung, Betrieb und Verbesserung) für das BCMS wiederverwenden. Das senkt den Aufwand. Außerdem planen Sie Informationssicherheit und Geschäftsfortführung dann gemeinsam, sodass beide im Krisenfall ineinandergreifen. ISO 27001 sichert die Informationen, ISO 22301 hält die Prozesse am Laufen.

Häufige Fragen

Was ist ISO 22301?

ISO 22301 ist der internationale Standard für Business-Continuity-Managementsysteme (BCMS). Er legt die Anforderungen fest, um kritische Leistungen bei Störungen aufrechtzuerhalten oder schnell wiederherzustellen. Als einziger BCM-Standard ist er akkreditiert zertifizierbar.

Was ist der Unterschied zwischen ISO 22301 und BSI-Standard 200-4?

ISO 22301 ist ein international zertifizierbarer Anforderungskatalog. Der BSI-Standard 200-4 ist ein detaillierter, stufenweiser Praxisleitfaden für den Aufbau eines BCM. Er hat sich besonders in Deutschland und im IT-Grundschutz-Umfeld etabliert, sieht aber keine eigene Zertifizierung vor.

Verlangt ISO 22301 Übungen?

Ja. ISO 22301 fordert ein Übungs- und Testprogramm, mit dem die Wirksamkeit der Business-Continuity-Pläne regelmäßig nachgewiesen wird. Tabletop-Übungen sind dafür ein anerkanntes und effizientes Mittel.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die jeweils geltenden Gesetzes- und Verordnungstexte sowie der aktuelle Stand der nationalen Umsetzung.

Wirksamkeit nachweisen, bevor der Auditor fragt

ISO 22301 verlangt geübte Pläne. In einer Tabletop-Übung erproben Sie Ihre Business-Continuity-Pläne und bekommen einen Report, den Sie im Audit vorlegen können. Wo Sie heute stehen, zeigt der kostenlose Übungsreife-Check in zwei Minuten.

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